Was ist Gong Fu Cha?
Gong Fu steht im ursprünglichen Sinne für etwas das mit viel Übung, Zeit und Hingabe zu tun hat. Heutzutage wird der Begriff universell für die Zubereitung von Tee nach chinesischer Art verwendet. Allerdings sind die Methoden in China regional sehr unterschiedlich, auch wenn Menschen in Shanghai, Hong Kong, Malaysia oder Taiwan alle davon sprechen den Tee im Gong Fu Stil zuzubereiten. Es wird einem schnell auffallen, dass überall unterschiedliches Teegeschirr verwendet wird und auch die einzelnen Schritte, Zeiten und Mengen variieren. Die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Ausprägungen sind der hohe Stellenwert von Aufmerksamkeit, Präzision und Respekt gegenüber dem Tee. Ziel ist es, das volle Potenzial eines Tees über mehrere Aufgüsse hinweg zu entfalten und den Zubereitungsprozess selbst als bewusste Praxis zu verstehen.
Wie funktioniert Gong Fu Cha?
Gong Fu Cha ist je nach Auslegung ein einfaches oder auch komplexeres/strikteres Prinzip, bei dem ein höheres Verhältnis von Tee zu Wasser gewählt wird und in kleinen Zubereitungsgefäßen mehrfach aufgegossen und genossen werden kann. Auch ohne viel Erfahrung gelingt der Tee, wobei man dennoch immer wieder etwas Neues dazu lernen kann. Im modernen Gong Fu Cha geht es unter anderem darum, alle Variablen der Teezubereitung mit einem hohen Maß an Aufmerksamkeit, Bewusstsein und Präzision zu kontrollieren. Auf diese Weise können hochwertige Tees ihr volles Potential entfalten. Die nachfolgenden Fragen sollen dir einen groben Rahmen zum Ausprobieren bieten. Mit mehr Erfahrung sind individuelle Veränderungen in jegliche Richtungen möglich.
Wie viel Tee verwende ich?
Der Tee wird mit circa 3-5 g Tee pro 100 ml Wasser stärker dosiert. Im weiteren Verlauf der eigenen Teereise können auch höhere Dosierungen von 1g Tee/10 ml Wasser ein interessantes und intensives Erlebnis sein.
Welche Temperatur sollte das Wasser haben?
Die Temperatur des Wassers richtet sich immer nach der Teesorte und ist auf jeder Verpackung unserer Tees mit angegeben.
Wie lange lasse ich den Tee ziehen?
Die Ziehzeit ist deutlich verkürzt. Sie liegt je nach Teesorte und Dosierung zwischen 5 und 30 Sekunden. Sie verlängert sich im Laufe der Session proportional zur Anzahl der Aufgüsse.
Welches Zubereitungsgefäß kann ich verwenden?
Für die Zubereitung im Gong Fu Stil bedarf es kleinen Zubereitungsgefäßen zwischen 50 und 250ml, wie einem Gaiwan, einer Shiboridashi oder einem Tonkännchen.
Welches Wasser eignet sich für Tee?
Im besten Fall hat das Wasser einen niedrigen Härtegrad, denn desto weicher das Wasser desto besser kommen die Aromen des Tees zur Geltung.
Wie viele Aufgüsse kann ich mit einem qualitativ hochwertigen Tee zubereiten?
Abhängig von Tee und Teesorte lassen sich zum Teil über 15 Aufgüsse entdecken. Der Tee kann so lange aufgegossen werden bis er keinen Geschmack mehr abgibt. Im Anschluss können die aufgebrühten Teeblätter bei Bedarf oder Interesse auch noch gekocht werden.
Wie fange ich an?
Um die Gong Fu Methode kennenzulernen, eignet sich zu Beginn ein kleiner Gaiwan aus Porzellan (100-175ml). Darin lassen sich problemlos mehrere verschiedene Teesorten zubereiten. Die Handhabung ist unkompliziert und die anfängliche Investition ist im Vergleich zu anderen Zubereitungsgefäßen gering. Mit dem neuen Gaiwan kannst du Schwarztee, Oolong, Pu Erh, chinesischen Grüntee, sowie Weißtee im Gong Fu Stil zubereiten. Interessierst du dich mehr für japanischen Grüntee eignet sich eine Kyusu zum Einstieg besser. Darüber hinaus ist es sinnvoll sich kleine Cups und einen Fairness Cup zuzulegen, um voll ausgestattet zu sein. Was am besten zu dir passt und wie du deine Gong Fu Praxis gestalten möchtest, findest du ganz leicht über die Zeit heraus.
Schritt für Schritt zum Gong Fu Tee
- Erwärme das Zubereitungsgefäß, sowie die Tassen und den Fairness Cup deiner Wahl mit heißem Wasser.
- Befülle das Zubereitungsgefäß mit Tee.
- Wecke die Teeblätter mit einem kleinen Waschgang.
- Der erste Aufguss.
- Nachfolgende Aufgüsse.
- Entsorgung des Tees und reinigen der Cups mit heißem Wasser.
Fragen, die du dir im Laufe deiner Gong Fu Praxis stellen kannst
Wie ist der Duft und das Aussehen des trockenen Blattes?
Wie ist der aufsteigende Duft, wenn der trockene Tee das erste Mal auf das vorgewärmte Gefäß trifft?
Wie unterscheidet sich der Duft nachdem der Tee mit heißem Wasser in Kontakt kam?
Wie schmeckt der Tee?
Wie fühlt sich der Tee in deinem Mund an?
Wie verändert sich der Tee über die Aufgüsse hinweg?
In welcher Farbe tritt der Tee in deinem Cup in Erscheinung?
Wie fühlst du dich während du den Tee trinkst und danach?
Wie verhält sich der Tee im Abgang?
Wie ist der Nachhall des Tees?
Welches Gefühl hinterlässt der Tee in deinem Mund?
Geschichte und Einflüsse auf die Teezubereitung
In der
Tang-, Song- und Ming-Dynastie gab es verschiedene Trends wie das
Aufschlagen, Kochen oder Aufbrühen von Tee. Während der Ming-Dynastie
wurden große Kannen und große Tassen verwendet und der Tee lange ziehen
gelassen. Zu dieser Zeit begann der Westen, mit China Handel zu treiben,
was schließlich die Tradition in Europa prägte, Tee in großen Kannen
zuzubereiten und aus großen Tassen zu trinken.
Gong Fu kann als
Weiterentwicklung bereits bestehender Konzepte aus früheren Dynastien
verstanden werden. Zusätzlich gab es drei große Einflussfaktoren, welche
zur Entstehung von Gong Fu beigetragen haben. Ein nicht unwesentlicher
Teil des Ursprungs von Gong Fu stammt aus der Kampfkunst, Tai Chi und Qi
Gong, wurde aber auch durch den Daoismus und Zen Buddhismus geprägt.
Zudem war auch der wirtschaftliche Faktor des Teetrinkens von Bedeutung,
denn Tee in großen Kannen zuzubereiten erforderte große Mengen Tee, die
sich nicht jeder leisten konnte. Eine geringe Menge zu verwenden und
aus kleinen Tassen zu trinken, war schlichtweg ökonomischer. Der dritte
und letzte entscheidende Einflussfaktor für die Entstehung von Gong Fu
Cha war die aufwendige handgefertigte Herstellung von Wuyi Oolong.
Während des Großteils seiner Geschichte war Gong Fu Cha eine
Nischenaktivität für Teeliebhaber. Die Methode gewann in den Wuyi-Bergen
der Provinz Fujian an Popularität, wo sie während der Qing-Dynastie für
lokale Oolong-Teesorten wie Shui Xian, Da Hong Pao und Tie Luo Han
angewandt wurde. In Anlehnung an die komplexe Verarbeitung dieser Tees
entstand die Notwendigkeit eine Zubereitungsmethode zu finden, welche
diesen besonderen Tees auf Augenhöhe begegnen konnte. Aufgrund der
Migration aus Fujian gelangte Gong Fu Cha auch nach Taiwan, wo Oolong bis heute die wichtigste Teesorte ist. In den 1980er und 1990er Jahren begannen auch chinesische und taiwanesische Teesammler, Pu Erh
im Gong Fu Stil zu brühen, wohingegen nur wenige einheimische
Teetrinker in Yunnan, dem Ursprung von Pu Erh, von dieser Methode gehört
hatten.
In diesem Video erzählt Olli über die genauen Unterschiede zwischen der westlichen Teezubereitung und Gong Fu Cha.