Taiwanesischer Schwarztee und seine Geschichte
Neben Oolong ist Taiwan auch für seine besonders hochwertigen Schwarztees bekannt. Wie es dazu kam und was Schwarztee aus Taiwan so spannend macht, erzählen wir in diesem Blogartikel.
Ursprünge und japanische Kolonialzeit (1895–1945)
Die Produktion von Schwarztee wurde in Taiwan während der japanischen Kolonialzeit zwischen 1895 und 1945 eingeführt. Zu dieser Zeit produzierte und exportierte Taiwan bereits Tee, hautpsächlich Oolong. Um den Absatz ihrer Grüntees zu sicher, wollten die Japaner vermeiden, dass sie mit Taiwan auf dem Weltmarkt konkurrieren. Dazu förderten sie gezielt die Produktion von Schwarztee.
1923 begann unter der japanischen Führung des Agrarinstituts in Taiwan der Import von Assam Teepflanzen aus Indien. Diese wurden in vier verschiedenen Regionen verteilt, um die Eignung des lokalen Klimas für Schwarzteeanbau zu testen. Wir haben die Daxi Tea Factory besucht, die 1926 während der japanischen Besatzungszeit erbaut wurde. Im Reisebericht teilen wir unsere Eindrücke – begleitet von ausdrucksstarken Fotos.
1936 wurde die Taiwan Tea Research and Extension Station (TRES) gegründet, mit einem Forschungszentrum in Yuchi, das sich auf die Entwicklung und Optimierung der Schwarzteeproduktion konzentrierte. Die dortigen Bedingungen mit einer Höhe von 600 bis 800 Metern über dem Meeresspiegel, nährstoffreiche Hügellandschaften, kürzere Sonnenexposition und eine feuchte, neblige Umgebung erwiesen sich als ideal für Schwarztee. Die erfolgreichen Ergebnisse führten zur Entstehung der heute renommierten Schwarztees aus Sun Moon Lake. Im Jahr 1937 machte Schwarztee mehr als die Hälfte der gesamten Teeproduktion von Taiwan aus.
Nachkriegszeit und Rückgang der Schwarzteeproduktion (1945–1970er)
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 und dem Ende der japanischen Besatzung wurde Taiwan an die Republik China zurück gegeben. Die Teewirtschaft blieb zunächst stabil, doch mit den politischen Veränderungen in den 1970er Jahren folgte ein drastischer Einschnitt. 1971 verlor Taiwan durch die Anerkennung der Volksrepublik China seine offizielle internationale Stellung. Dadurch wurde der Export taiwanesischer Tees, insbesondere von hochwertigem Schwarztee, deutlich erschwert und teurer. Die internationale Nachfrage sank und viele Teebauern stellten ihre Produktion wieder auf Oolong ein, um den heimischen Markt zu bedienen. Andere mussten ihren Betrieb ganz aufgeben. Die goldene Ära des taiwanesischen Schwarztees fand damit vorerst sein Ende.
Wiedergeburt und neue Entwicklungen (2000 bis heute)
Mit Beginn der 2000er wuchs das Interesse der taiwanesischen Bevölkerung am Schwarztee wieder. In den Landkreisen Hualien (Ruisui) und Nantou (Mingjian) begannen viele Landwirte, sich erneut der Schwarzteeproduktion zuzuwenden. Parallel dazu entwickelte die TRES neue Teesorten speziell für die Herstellung von hochwertigem Schwarztee. Das TRES Nr. 18 („Ruby“)wurde erstmal 1999 kultiviert, während das TRES Nr. 21 („Hong Yun“) seit 2008 für die Produktion von Schwarztee verwendet wird. Beide Sorten zeichnen sich durch ihre große Blätter, ein intensives Aroma und hohe Qualität aus. Ihre Herstellung erfordert eine vollständige Oxidation der Blätter, die durch längeres Welken und sorgfältiges Rollen erreicht wird. Heute bleibt das Gebiet um den Sun Moon Lake in Yuchi das wichtigste Zentrum der Schwarzteeproduktion in Taiwan. Obwohl Schwarztee heute noch immer nur einen kleinen Teil der gesamten Teeproduktion Taiwans ausmacht, hat sich die Auswahl und Vielfalt in den letzten zehn Jahren drastisch erhöht.
Besonderheiten von Hong Cha aus Taiwan
Die Verwendung der Assamica Varietät als Grundlage von vielen verschiedenen taiwanesischen Schwarzteekultivaren führt zu deutlichen Unterschieden in ihrem Aromaprofil im Vergleich zu Hong Cha vom chinesischen Festland. Sie bieten eine außergewöhnliche Komplexität, gepaart mit einem spannenden Mundgefühl und haben Dank einer stärker ausgeprägten Adstringenz auch einen gewissen Kick mit dabei. Durch ihre großen Blätter können sie viele Male aufgegossen werden, wobei immer wieder neue Facetten zum Vorschein kommen. Wer einmal in den Genuss gekommen ist, weiß wovon wir sprechen, wenn wir sagen, dass Schwarztee aus Taiwan etwas ganz Besonderes ist.
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Fazit
Von seiner Einführung unter japanischer Kolonialherrschaft über den temporären Niedergang nach 1971 bis hin zur heutigen Renaissance hat Taiwan bewiesen, dass Qualität, Forschung und Leidenschaft Tradition neu beleben können.
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