Pu Erh - Ursprünge der Lagerung von Hongkong über Taiwan und Malaysia
Woher kommt die Tradition Pu Erh zu lagern?
Pu Erh Tee unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von anderen Teesorten, eingeschlossen der Fähigkeit sich über die Jahre hinweg zu entwickeln. Es wird oft behauptet, dass gelagerter Pu Erh besser als junger oder semi-alter Pu Erh ist. Dabei handelt es sich jedoch, um ein Missverständnis, weshalb gelagerter Pu Erh viel eher als eine eigene Kategorie betrachtet werden sollte, welche nicht objektiv als überlegen angesehen werden kann. Hinter dem Grund, warum gelagerter Pu Erh heute von so vielen Teeliebhabern geschätzt wird, verbirgt sich eine ganze Geschichte. Denn woher kommt die Tradition Pu Erh zu lagern überhaupt?
Pu Erh vor 1930
Die Begeisterung für gereiften Pu Erh ist ein relativ modernes Phänomen, das erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts aufkam. Es ist bis heute nicht eindeutig geklärt, ob das Reifen von Pu Erh Tee in der Vergangenheit eine gängige Praxis war. Die vermutlich erste Form der Reifung beziehungsweise Fermentation von Pu Erh geschah, wenn auch unbeabsichtigt, auf dem langen Exportweg über die Tea Horse Road nach Tibet. Der erste dokumentierte Beweis für eine absichtliche Fermentation stammt aus dem Jahr 1930, als Produzenten auf den inneren Etiketten (Nei Fei) vermerkten, dass der Tee mit der Zeit besser werde. In den 1930er Jahren begann auch der Export von Pu Erh Tee nach Hongkong, wo der Tee später absichtlich gelagert und gereift wurde.
Pu Erh in Hongkong in den 1930er - 1950er Jahren
In den 1930er Jahren begannen die Menschen in Hongkong, Pu Erh Tee zu importieren und zu trinken. Der Großteil des importierten Tees war von geringer Qualität und wurde in Restaurants bei sozialen Zusammenkünften in Kombination mit Dim Sum (kleinen Gerichten) konsumiert. Nur eine kleine, wohlhabende Gruppe von Personen in Hongkong griff auf hochwertige Pu Erh Tees zurück, deren Produktion oft nicht mehr als 50 Tonnen pro Jahr betrug. Einige dieser Pu Erhs, von großen Familienmarken wie Tong Qing Hao, Song Pin Hao, Tong Tong Shun Chan und Xiang, sind auch heute noch in Hongkong zu finden und werden dort weiter gelagert. In den 1950er Jahren erreichte die Bedeutung von Pu Erh in Hongkong eine neue Dimension.
Zu dieser Zeit stieg die Nachfrage nach günstigem Pu Erh Tee aufgrund einer zunehmenden Anzahl von Einwanderern in Hongkong. Der Tee, der zu dieser Zeit Hongkong erreichte, war noch jung und grün. Der bittere Geschmack dieser Tees entsprach nicht dem bevorzugten Geschmack der Hongkonger. Jedoch bemerkten sie, dass die Lagerung der Pu Erh Tees in feuchten, warmen Kellern den Tee etwas verbesserte und ihn genießbarer machte. Die Lagerung von Pu Erh Tee in feuchten Kellern war dabei nur der Anfang – die wahre Fertigkeit des Reifens und Alterungsprozesses ist viel umfangreicher und bedurfte vieler Experimente und eines tieferen Lernprozesses. Aus diesen anfänglichen Feststellungen entwickelte sich die Kunst der gezielten Fermentation und Reifung der Tees. Die Pu Erh Tees wurden für einige Jahre in den Kellern fermentiert und dann in einen trockeneren Raum gebracht, um die während der Fermentation entstandenen Gerüche zu mildern. Darüber hinaus experimentierten sie auch mit einer wechselnden Anordnung der Tees im Keller, um ein gleichmäßigeres Fermentationsergebnis zu erzielen.
Entwicklung von Shou Pu Erh in den 1970ern
Damit ein Pu Erh in Hongkong damals als genießbar galt, musste dieser mindestens fünf bis zehn Jahre lang gelagert werden. Da der Reifungsprozess Platz und Zeit erforderte, war gereifter Pu Erh kommerziell unprofitabel. Aus diesem Grund wurde die Lagerung von Pu Erh Tee auf das chinesische Festland verlagert, um später wieder nach Hongkong exportiert zu werden. In dieser Zeit wurden verschiedene Techniken entwickelt, um die Fermentation von Pu Erh zu beschleunigen. Im Jahr 1973 versuchte die Menghai Tea Factory, künstlich fermentierten Tee zu produzieren, welcher später als Shou Pu Erh bekannt wurde. Diese Methode, die in Yunnan direkt angewendet wurde, konnte innerhalb von nur zwei Monaten ein fertiges Produkt hervorbringen, während die natürliche Fermentation in Hongkong mindestens fünf Jahre dauerte.
Gelagerte Pu Erh Tees erreichen Taiwan in den 1990er Jahren
Die Lagerung von Pu Erh in Hongkong blieb jedoch weiterhin ein wichtiger kultureller Bestandteil. Als Hongkong in den 1990er Jahren wieder Teil Chinas wurde, zogen viele Menschen ins Ausland und verkauften ihre Bestände an gereiftem Pu Erh, auch nach Taiwan, wo die Wirtschaft zu diesem Zeitpunkt einen Aufschwung erlebte. Die Taiwanesen waren von den unglaublich günstigen Preisen angelockt und begannen, gereiften Pu Erh zu sammeln. Heute gehört Taiwan zusammen mit Hongkong und Malaysia zu den Ländern mit den größten Beständen an gereiftem Pu Erh Tee.
Entdeckung von „trockener Lagerung“ (gancang, 幹倉) in den 1990er Jahren
In Taiwan, Hongkong und Malaysia wurde Pu Erh oft als Alltagsgetränk konsumiert, was zunächst nicht viel Aufmerksamkeit erregte. Doch mit dem Aufkommen von Sammlern und Teekennern in Taiwan wurde Pu Erh zunehmend als ein wertvolles und begehrtes Produkt betrachtet. Diese Entwicklung führte auch zu einem wachsenden Interesse an der richtigen Lagerung von Pu Erh, um die Qualität und den Charakter der Tees besser zu bewahren als die traditionelle feuchte Lagerung, die bis dahin in Hongkong vorherrschte. Einen entscheidenden Schritt in dieser Entwicklung wagte der Hongkonger Teehändler Vesper Chan, der das Konzept der trockenen Lagerung einführte, indem er einen 7542 88 Qing Bing aus den späten 80er Jahren in einem trockenen Lagerraum in Hongkong aufbewahrte.
Unter Pu-Erh-Liebhabern gibt es daher ein beliebtes Sprichwort: „Pu Erh wird in Yunnan hergestellt, in Hongkong gereift und erlangte in Taiwan Berühmtheit.“ Die Verflechtung dieser drei Orte in Bezug auf Pu Erh Tee ist faszinierend und zugleich von Bedeutung für das Verständnis der wiedergewonnenen Popularität von Pu Erh in den letzten Jahrzehnten.
Die „trockene Lagerung“ (gancang, 幹倉) beansprucht oftmals mehr als 20 Jahre, um den Tee weicher und sanfter werden zu lassen, während die „feuchte Lagerung“ (shicang, 濕倉) die Fermentation beschleunigt und der Tee bereits nach 10 Jahren einen weicheren und runderen Geschmack und Mundgefühl aufweist. Zwar gibt es in Bezug auf die Lagerung entsprechend der klimatischen Zonen regionale Unterschiede, jedoch kann nicht pauschal aufgrund des geografischen Standortes der Lagerung festgestellt werden, wie der Tee konkret aufbewahrt wurde. Sowohl in Taiwan, Hongkong als auch Malaysia gibt es die Möglichkeit den Tee eher feucht oder eher trocken zu lagern oder eine Kombination aus beidem anzuwenden. Ob euch Pu Erh aus „feuchter“ oder „trockener“ Lagerung besser gefällt, hängt darüber hinaus stark von euren individuellen Vorlieben ab und kann situationsabhängig sein.
Was kann ich von einem Sheng Pu Erh erwarten, der trocken gelagert wurde?
Bewahrt den ursprünglichen Charakter des Tees. Der Tee schmeckt „reiner“ und ist häufig komplexer. Hier zeigen sich Noten von Holz, Früchten, Karamell, Honig, Kampfer, Menthol, Weihrauch, Harz oder Tannennadeln.
- 2007 Thailand Ming Lee Classic Sheng
- 2005 Mengku Yesheng (Taiwan storage)
- 2005 Yiwu Shan "Tong Qing Hao" (Taiwan storage)
- 2009 Mengla Gushu
- 1998 Bao Yan Jin Cha Xiaguan Sheng Pilz (Taiwan storage)
- 2003 Purple Dayi 7542
- 2006 Bao Yan Jin Cha Xiaguan Sheng Pilz
- 1998 Menghai Tuo Cha
Was kann ich von einem Sheng Pu Erh erwarten, der feucht gelagert wurde?
Diese Methode führt oft dazu, dass der Tee Aromen von roter Beete, Ginseng, Vanille, Erde, Gewürzen, Holz, Asphalt/Beton und gekochten Früchten entwickelt.
- 1998 Loose Leaf Sheng Cha (Hongkong Storage)
- 2002 Loose Leaf Sheng Cha (Hong Kong storage)
- 2007 Yen Bai Vietnam Aged Sheng Natural loose leaf
In diesem Video spricht Olli mit Olivier Schneider im Norden von Thailand über Pu Erh:
Tea with Friends: Olivier Schneider