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Die Vielfalt der taiwanesischen Oolong Tees


Taiwan ist bekannt für seine exzellenten Oolongs, die durch eine große Vielfalt an Kultivaren geprägt sind. Dabei sind die Verarbeitungsprozessevom Anbau über die Ernte bis hin zur Röstung präzise auf die jeweiligen Kultivare abgestimmt und tragen entscheidend zu den komplexen Geschmackserlebnissen bei. Die heutzutage in Taiwan angebauten Oolong-Kultivare stammen zum einen ursprünglich vom chinesischen Festland oder wurden in den 1980er-Jahren durch die Taiwan Tea Research and Extension Station (TRES) entwickelt. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die Vielfalt der taiwanesischen Oolong-Kultivare, ihre Herkunft, Verarbeitung und die einzigartigen Geschmackseigenschaften, die sie auszeichnen.

Klassisch etablierte Kultivare in Taiwan
Zum Teil im 18. und 19. Jahrhundert vom chinesischen Festland eingeführt und heute tief in der taiwanesischen Teekultur verankert.
Qingxin (青心):
Qingxin (青心), wörtlich „Grünes Herz“, ist eines der ältesten und hochwertigsten Teekultivare Taiwans. Ursprünglich wurde dieses Kultivar im 18. und 19. Jahrhundert aus der chinesischen Provinz Fujian nach Taiwan gebracht. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Qualität ist Qingxin bis heute die bevorzugte Sorte für hochwertige taiwanesische Oolongs.
Qingxin wurde bereits während der japanischen Kolonialzeit als eines der ersten Kultivare für den Teeanbau in Taiwan ausgewählt und gilt seither als Maßstab für höchste Qualität. Trotz seines langsamen Wachstums im Vergleich zu Sorten wie Jin Xuan wird es unter Teebauern und Teeliebhabern gleichermaßen geschätzt, da es durch Tiefe, Eleganz und Langlebigkeit im Geschmack besticht. Darüber hinaus ist Qingxin kälteresistent, ideale Eigenschaften für den Anbau in Taiwans berühmten Hochlandregionen wie Alishan und Lishan. Diese Höhenlagen begünstigen die Entwicklung feiner Aromen, weshalb Qingxin für fast alle High-End-Gaoshan-Tees verwendet wird.
Das Kultivar liefert Tees mit typischen grünen, klaren und naturnahen Noten, die oft an frische Bergblumen erinnern. Geschmacklich überzeugt Qingxin durch eine cremige Textur mit Anklängen von frisch gebutterten grünen Bohnen und einer feinen, natürlichen Süße. In den letzten Jahren wurde Qingxin vermehrt im Stil moderner Hochland-Oolongs mit sehr geringer Oxidation verarbeitet was seinen eleganten, frischen und komplexen Charakter unterstreicht.

Unser Qingxin Oolong

Tie Guan Yin (鐵觀音):
Tie Guan Yin, übersetzt: „Eiserne Göttin des Mitgefühls", ist ein Teekultivar, das ursprünglich in Fujian, China angebaut wurde. Schon im 19. Jahrhundert wurde es von chinesischen Siedlern nach Taiwan gebracht und zählt damit zu den ersten Teesorten, die in Taiwan kultiviert wurden. Besonders in den mittleren Höhenlagen rund um Taipeh allen voran in der bekannten Teestadt Muzha hat sich das Kultivar seitdem fest etabliert.
Muzha Tie Guan Yin unterscheidet sich deutlich vom berühmteren chinesischen Pendant: In Taiwan wird Tie Guan Yin traditionell stärker oxidiert, mehrfach geröstet und mitunter jahrelang gelagert. Das ergibt ein tiefes, vielschichtiges Aroma mit Noten von getrockneten Früchten, gerösteten Nüssen, karamellisierter Süße und einer dezenten Würze. Trotz seiner intensiven Verarbeitung bleibt eine feine florale Note erhalten, die den Tee ausgewogen und komplex macht.

Unser Tie Guan Yin

Wuyi (武夷):
Das Wuyi-Kultivar ist eine besondere und eher selten gewordene Teesorte in Taiwan, die ursprünglich zwischen 1796 und 1820 aus der chinesischen Wuyi-Region eingeführt wurde. In Taiwan bezeichnet „Wuyi“ heute jedoch ein eigenständiges Kultivar und steht nicht in direktem Zusammenhang mit der geografischen Herkunft Wuyishan.
Die Verarbeitung orientiert sich dennoch häufig an der traditionellen Herstellung von chinesischen Wuyi-Oolongs, mit stärkerer Oxidation und intensiverer Röstung. Das resultierende Geschmacksprofil ist komplex, würzig-kräuterig mit feinen Zitrusnoten, wodurch es sich klar von bekannteren taiwanesischen Kultivaren wie Jin Xuan oder Si Ji Chun abgrenzt.
Trotz seiner geschmacklichen Tiefe ist der Wuyi-Kultivar im heutigen Teeanbau weniger verbreitet. Die zunehmende Konzentration auf ertragreiche Standardkultivare führt zu einem Rückgang solcher traditionellen Kultivare und damit leider auch zu einem Verlust an aromatischer Vielfalt im Oolong-Segment.

Unser Wuyi Oolong

Fo Shou (佛手): 
Das Fo Shou-Kultivar stammt ursprünglich ebenfalls aus Fujian in China. Der Name Fo Shou bedeutet „Buddhas Hand“ und bezieht sich auf eine bekannte Zitrusfrucht, deren gelbe, fingerartige Form an die Hand Buddhas erinnert. Der Duft dieses Kultivars wird ebenfalls mit dem Aroma dieser Frucht assoziiert.
Fo Shou zeichnet sich durch besonders große Teeblätter aus - einige der größten, die in Taiwan verwendet werden. Der Tee wird meist mit einer leichten Röstung verarbeitet, wodurch er ein kräftiges, fruchtiges Aroma und einen vollmundigen Körper erhält.

Unser Fo Shou Oolong

Rou Gui (肉桂): 
Das Rou Gui-Kultivar, dessen Name auf Chinesisch „Zimtbaum“ oder „Cassia“ bedeutet, stammt ursprünglich aus dem Wuyi-Gebirge in China. In Taiwan ist dieses Kultivar eine seltene Besonderheit, da es relativ spät wahrscheinlich erst in den 1990er Jahren oder später eingeführt und kultiviert wurde.
Rou Gui zeichnet sich ebenfalls durch größere Blätter aus als die meisten taiwanesischen Kultivare. Sein Name leitet sich von seinem typischen Aroma ab, das bei guter Verarbeitung an den Duft von Zimt erinnert. In Taiwan wird Rou Gui hauptsächlich in der Region Mingjian angebaut und dort traditionell zu festen Kugeln gerollt.
Für Teetrinker, die den charakteristischen Geschmack von Rou Gui Oolong mögen, aber eine Alternative zu den stark gerösteten Tees aus dem chinesischen Wuyishan suchen, stellt der taiwanesische Rou Gui eine hervorragende Wahl dar.

Unser Rou Gui Oolong

Modern etablierte taiwanesische Kultivare
Ab den 1980er-Jahren in Taiwan durch das Taiwan Tea Research and Extension Station (TRES) entwickelt zur Verbesserung von Ertrag, Widerstandsfähigkeit und Zugänglichkeit. 
Jin Xuan (金萱):
Jin Xuan (金萱), was übersetzt „Goldene Taglilie“ bedeutet, ist ein taiwanesisches Teekultivar, das im Jahr 1981 von Dr. Wu Zhen Duo entwickelt wurde (offizielle Bezeichnung: TTES No. 12). Ziel dieser Neuzüchtung war es, den Teebauern eine ertragreichere und robustere Alternative zu bieten, aus der sich gleichzeitig qualitativ hochwertiger, leicht oxidierter Oolong herstellen lässt. Jin Xuan wächst rund 20–40 % schneller als das Qingxin-Kultivar und bietet zudem eine bessere Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten, was es besonders für Anbauregionen in niedrigeren Höhenlagen attraktiv macht.
Ursprünglich stammt Jin Xuan aus Nantou, wird aber heute in vielen renommierten Teeanbaugebieten Taiwans kultiviert, darunter auch die berühmten Hochlagen von Lishan und Alishan. In letzterem ist Jin Xuan sogar das am häufigsten angebaute Kultivar.
Besonders bekannt ist Jin Xuan unter dem Namen „Milky Oolong“. Dieser Spitzname rührt von seinem typischen Aroma, das an Milch und Butter erinnert - ein Merkmal, das durch die natürlichen Eigenschaften des Kultivars entsteht und nicht durch künstliche Aromatisierung. Der Tee zeichnet sich durch elegante, frische Duftnoten und eine bemerkenswerte Milde ohne jegliche Bitterkeit aus. Jin Xuan gehört heute zu den bekanntesten taiwanesischen Kultivaren und wird häufig direkt unter seinem Kultivarnamen verkauft. Ein Zeichen seiner Popularität und seines Wiedererkennungswerts im internationalen Teemarkt.

Unser Jin Xuan Oolong

Si Ji Chun (四季春):
Si Ji Chun (四季春), wörtlich „Vier Jahreszeiten Frühling“, ist ein taiwanesisches Teekultivar, das in den 1980er-Jahren entwickelt wurde. Der Tee ist auch unter der Bezeichnung Four Seasons Oolong bekannt. 
Si Ji Chun wächst hauptsächlich in tiefer gelegenen Regionen Taiwans und eignet sich ideal für die Herstellung von leicht oxidierten Oolong-Tees mit frischer, grüner Charakteristik. Eine Besonderheit dieses Kultivars ist seine hohe Produktivität: Unter guten Bedingungen kann er bis zu sechs Mal im Jahr geerntet werden, was ihn für viele Teebauern wirtschaftlich attraktiv macht.
Vermutlich entstand Si Ji Chun aus einer Kreuzung zwischen dem Qingxin-Kultivar und einem Kultivar aus dem Wuyi-Gebirge in China. Im Vergleich zu anderen beliebten taiwanesischen Sorten weist Si Ji Chun ein kräftigeres, fruchtigeres Aroma auf sowohl im Geruch als auch im Geschmack. Si Ji Chun steht für einen zugänglichen, aromatisch intensiven Oolong mit floralen und fruchtigen Noten, der sich besonders durch seine Frische und Vielseitigkeit auszeichnet.

Unser Si Ji Chun Oolong

Cui Yu/Jade Oolong (翠玉):
Cui Yu (翠玉), auf Deutsch „Grüne Jade“, ist ein taiwanesisches Teekultivar, das in den 1980er-Jahren vom Taiwan Tea Research and Extension Station (TRES) unter der Bezeichnung Nr. 13 gezüchtet wurde. 
Cui Yu ist ein ausgesprochen ertragreiches Kultivar, das vor allem in tiefer gelegenen Teeregionen Taiwans kultiviert wird. Aufgrund seiner Zugänglichkeit, Frische und seines angenehmen Aromas gilt Cui Yu als idealer Einstieg in die Welt der gerollten taiwanesischen Oolongs.
Geschmacklich liegt Cui Yu zwischen Jin Xuan und Si Ji Chun. Cui Yu selbst überzeugt mit einem blumigen, frischen Aroma, das deutlich weniger cremig ist als das von Jin Xuan. Cui Yu ist in Taiwan und anderen Teilen Asiens sehr populär und gilt als das dritthäufigst konsumierte Oolong-Kultivar. Besonders als leicht oxidierter Oolong für den Alltag ist Jade Oolong aus Cui Yu eine geschätzte Wahl.

Unser Cui Yu Oolong

Fazit:
Taiwan bietet eine breite Palette an Oolong-Kultivaren, die sich im Geschmack und ihrer Verarbeitung unterscheiden. Dank dieser Vielfalt ist für jeden Teeliebhaber etwas dabei, egal ob man nach komplexen, tiefgründigen Aromen oder frischen, floralen Noten sucht.

2019 waren wir in Taiwan bei Atong Chen zu Besuch und konnten viel Neues über Oolong lernen. Schaut gerne in unserem Reisebericht vorbei.

Taiwan 2019 Reisebericht