Fotobericht Teereise China 2017 - Teil 7 & 8

 

Teile 7 & 8

27.4.17 Ein Tag in Yiwu

28.4.17 Papiermanufaktur & Shouproduktion in Menghai

 


Eigentlich stand heute eine lange Wanderung in den abgelegenen Teegarten von Bo He Tang auf unserem Programm, aber nach dem Vorfall mit den Rangern, die uns vorgestern an einer Wanderung gehindert haben, ändern wir die Planung, denn auch Bo He Tang  liegt in einem abgelegenen Gebiet, das nicht offiziell für jeden zugänglich ist und wir wollen nicht riskieren, dass Yu und wir hier Schwierigkeiten bekommen.



Am vorletzten Morgen vor unserer Rückreise springe ich früh aus den Federn und jogge voller Tatendrank den Berg hinter unserem Hotel hinauf und werde mit diesem wunderschönen Ausblick belohnt:

 


Für den Vormittag gibt es kein festes Programm und so wir treffen uns spontan mit einem Schweizer Teefreund, den wir letztes Jahr bei einer Teezui kennengelernt haben. Zufällig hatte Diz im Forum gesehen, dass wir in Yiwu sind und uns kontaktiert. Hätte mir vorher jemand erzählt, hier jemanden zufällig zu treffen, den wir kennen, ich hätte es niemals geglaubt, aber manchmal ist die Teewelt kleiner als man denkt.

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Ein kleiner Teeladen in Yiwu.


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Vor diesem Geschäft in Yiwu werden Pilze in der Sonne getrocknet.

 

Diz holt uns am Hotel ab und geht mit uns zu seinem befreundeten Teebauern, denn wir wollen zusammen Tee trinken. Er hat sich hier für mehrere Tage einquartiert, um Tee einzukaufen. Wir lernen auch seinen Soulbrother „Panda“ aus Jinghong kennen, der mehrere Wochen im Jahr in dieser Region verbringt, um gemeinsam mit befreundeten Teebauern zu  produzieren.

 
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Eine kleine Maschine zum Teeblätter kneten.

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Eine weitere Maschine zum Teeblätter erhitzen.

  

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Links im Bild Diz ein befreundeter Teehändler aus der Schweiz.

 
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Wir probieren diese beiden Tees, die wir auch später im Sortiment aufnehmen werden, einen aus Jingmai und einen aus Mansa.



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Wir trinken einen Tee, der aus verwilderten Taidi Cha Pflanzen produziert wird. Der Tee ist sehr angenehm mit leichter Süße und ausgewogenen Tanninen. Wir trinken und erzählen und trinken. (mittlerweile gibt es diesen Tee im Shop unter dem Namen Lucky Bee). Die Zeit vergeht manchmal beim Teetrinken schneller als man denkt. Aber bevor wir zurück zu unser Gruppe gehen, verkosten wir noch zwei Gushus, einen aus Jingmai und einen aus Mansa, der einen sehr guten Eindruck bei uns hinterläßt. Der Panda hat ein Händchen für feine Tees und ist sehr fröhlich und lacht viel.


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Der Teemeister Cha Shan Qing Zhe wird von Diz mittlerweile liebevoll "der Panda" genannt.


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Der Panda hat ein hübsches Elefantentattoo aus seinem Arm. Hier in den tiefen Wäldern lebt die letzte kleine wilde Elefantenpopulation Chinas.


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Die Zeit mit Diz und dem Panda vergeht leider viel zu schnell und nach drei Teesorten müssen wir auch schon wieder los.

Nach einem weiteren tollen Mittagessen geht es nochmal in die Fabrik, wo wir unseren Maocha, denn wir vor 3 Tagen in Gao Shan produziert haben, heute selbst pressen.

Wir konnten vorgestern schon üben und heute klappt es mit dem Hüftschwung schon viel besser. Die fröhlichen Fabrikarbeiter kontrollieren und helfen noch ein bisschen nach. Die Fladen müssen jetzt noch ein wenig ruhen und trocknen, bevor sie für uns verpackt werden.

 
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Fladen pressende Langnasen sieht man hier nicht so häufig, das muss natürlich auch von den Einheimischen digital festgehalten werden.

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Nach dem Pressen werden die Fladen schonend getrocknet.



Für heute Nachmittag steht ein Teeseminar mit Meister Yu auf dem Programm.

Bei unserem ersten Tasting haben wir zwei Tees aus Gao Shan. Es gibt einen großen Unterschied. Der eine Tee wurde in tradioneller Handarbeit im Wok gekocht, so wie es sich für gute Qualitäten gehört und der andere Tee wurde maschinell im Ofen gekocht. Der Unterschied ist sehr deutlich. Die ganze Gruppe schmeckt bei dem handverarbeiteten Tee viel Blume, zarte Frucht, leichte Tannine und bei dem aus maschineller Produktion sehr wenig von allem und die Bitterstoffe nehmen ab dem dritten Aufguss Überhand und verdrängen fast alles andere. 

Auch das zweite Tasting ist eine klare Angelegenheit. Zwei Tees aus Gua Feng Zhai  werden verglichen. Ein Gushu und ein Taidi Cha von jungen kleinen Büschen (Xiao Shu).

Der Gushu glänzt mit vollem Körper, Fruchtigkeit, einer angenehmen mineralischen Note und erfüllt den ganzen Mundbereich und das über viele Aufgüsse. Der Taidi ist viel dünner, hat kaum Nachhall und wenig Frucht oder Süße. Der Körper ist und bleibt bei diesem Tee blass.

Zum Abschluss vergleichen wir noch zwei Tees aus dem legendären, abgelegenen Garten, den wir heute eigentlich besuchen wollten, Bo He Tang. Beide Tees sind gut, der eine ist etwas leichter, süßlicher & fruchtiger. Beim anderen ist der Geschmack etwas erdiger aber auch sehr kraftvoll. Bei den mehrfachen Aufgüssen kristallisiert sich heraus, dass der anfangs leichtere Tee uns besser gefällt, denn auch er entwickelt jetzt einen komplexen intensiven Körper.

Wir haben auch bei diesem Tasting mit Yu und Meng Lin wieder viel gelernt und brauchen trotzdem erstmal ein Glas Wasser ... das auch überraschend gut schmeckt.


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Maocha, loser Rohtee im trockenen Zustand, kurz vor dem Aufgießen.


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Teemeister Yu lässt uns mehrere Tees paarweise probieren und lehrt und viel über die vielen, feinen Unterschiede des Pu Erh Tee. 


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Dieser Tee wurde nicht sorgfältig von Hand gekocht, sondern maschinell verarbeitet, daher gibt es kleine dunkle Krümel im Aufguss.


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 Yu erklärt Menglin den Unterschied zweier Tees bevor Menglin für uns die Details mit viel Geduld übersetzt.

 

_DSC1319 Diese Blätter haben, typisch für Yiwu, relativ lange Stengel.

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Nach jeder Doppelverkostung wird das Blattgut genau inspiziert.


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Teemeister Yu konzentriert beim Teeseminar.


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Typisches Fahrzeug in Yiwu. 


Am letzten Abend in Yiwu geht es dann noch zu einem sehr besonderen Fischrestaurant, das etwas außerhalb liegt. Es ist superschön und auch sehr gut, aber erstmals werden wir unter den Tischen von Moskitoschwärmen attackiert und sind deshalb auch ein bisschen froh, als es wieder zurück zum Guesthouse geht. Nach einem weiteren ereignisreichen Tag schlafen wir heute Nacht sehr gut.

 

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Die wackelige Bambusbrücke führt uns zu einem besonderen, etwas abgelegenen Restaurant.


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Hier züchtet das Restaurant die Fische, die unsere Mitreisenden gleich ganz frisch serviert bekommen. Wir halten uns als Vegetarier lieber an pflanzliche Kost.


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Küche mit Ausblick auf eine Bananenplantage.


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Hier genießen wir unser vorletztes Abendessen - nur leider gibt es viele beißende Insekten unter dem Tisch.



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Einer der weiteren Teehändler auf dieser Reise ist Kai Schnorr, mit dessen Frankfurter Geschäft wir bereits in zweiter Generation befreundet sind. Seine Tante Renate war bereits 1996 mit Ollis Mama Karin zusammen auf Teereise in Darjeeling. Hier geht es zu einem Foto der beiden Damen.


Am nächsten Morgen geht es schon früh von Yiwu Richtung Menghai. Dort besuchen wir eine Shoufabrik. Der Tee wird hier nach der eigentlichen Produktion noch postfermentiert. In Hallen auf Betonböden werden die Teeblätter in ca. 80 cm hohen Hügeln aufgehäuft. Ungefähr alle 10 Tage werden die Blätter gewendet. Die Temperatur beträgt immer zwischen 50-60 Grad Celsius. Der ganze Prozess der Postfermentierung dauert ca. 56 Tage. Leider können wir keine Fotos machen.

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Auf dem Weg zur Shoufabrik überquert unser Bus wieder den imposanten Mekong ...


IMG_4932  ... und wunderschönes Gebirge.


Aber der Duft ist hier viel schwerer und weniger angenehm als bei der Sheng Produktion. Nach der Führung durch die Fabrik geht es natürlich noch zur Teeverkostung. Frau Alou, der Name bedeutet: „Einen Strasse mit Wasser“ lädt uns ein.

Wir trinken einen Lao Ban Zhang, der uns über viele Aufgüsse begeistert. Ein sehr präsenter Tee, intensiv und breit im hinteren Rachen, viel Frucht und Tannine, fast ein bisschen prickelnd mit langem Abgang. Meister Yu hat sich hauptsächlich auf die Produktion von Sheng spezialisiert, aber ein paar weitere tolle Shous von ihm können wir zum Glück noch in unser Programm aufnehmen. Einen weiteren Tee aus Lao Ban Zhang, einen aus Bulang und einen Tee aus Jingmai.


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 In der Shoufabrik von Frau Alou dürfen wir keine Fotos machen, aber sie lädt und zum Tee ein.


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Die Reiseteilnehmer sind fleißig am notieren und speichern der vielen Informationen ...



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... und freuen sich schon auf dieses golden leuchtende Highlight, eines der kostbarsten Tees der Welt.


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... und jaaa der LBZ macht sichtbar gute Laune. Eine hocharomatische Perle die auch müde Geister weckt.


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Hmmm, unfassbar lecker. Hier wissen wir auch noch gar nicht, in welch schwindelerregende Höhen sich die Preise für diesen legendären Tee entwickelt haben.


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Anschließend wird dieser Shou, auch aus LBZ, probiert. Wir persönlich sind keine allzu großen Fans von Shou Pu Erh, probieren ihn aber natürlich immer wieder gerne aus.


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Der Aufguss ist tiefdunkel und erinnert optisch an Espresso.

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So sieht der Shou im Teeschälchen aus, er schmeckt sehr weich, samtig und urig-kräuterig und dicht.


Nach der Shoufabrik geht es dann noch zu einer Papiermanufaktur. Wir sehen, wie das Papier (wrapper) für die Pu Erh Fladen geschöpft wird. Auch hier wird alles mit der Hand gemacht. Zunächst wird die Rinde von einem speziellen Baum zerkleinert und eingeweicht. Im nächsten Schritt kommt es vom Wasser auf Holzrahmen und dann dreißig Minuten in die Sonne.

 

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Rechts der Eingang zur Papiermanufaktur.


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Von diesem Baumart stammen die Fasern für die Papiermasse.

 
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Die getrockneten Fasern vor der Verarbeitung.


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Die Fasern werden mit Leim zu einem Brei eingeweicht ...


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... und in einem großen Becken manuell aufgeschlagen.



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Anschließend mit riesigen Sieben vorsichtig ausgehoben, ...


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... so dass eine hauchdünne Schicht sich im Sieb gleichmäßig verteilt.


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Diese auf Bambusrahmen gezogene "Siebe" werden in der Sonne getrocknet ...


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... und immer wieder manuell glatt gestrichen.


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Der feuchte Faserbrei auf dem Sieb in detaillierter Großaufnahme.


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Yu zeigt eine der fertigen, getrockneten Papierbahnen. Wir kaufen alle von diesem wundervollen, weichen Papier. Speziell Yu benötigt viel davon für seine Pu Erh Wrapper.


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Spielende Kinder vor der Papiermanufaktur.


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Am Abend schlendern wir wieder zu dem lebendigen Nachtmarkt ...


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... und gönnen uns das eine oder andere Abschiedsbierchen.


Der Tag endet mit unserem gemeinsamen Abschiedsessen. Es gibt viele Worte des Dankes an Yu und Menglin, die wirklich eine tolle Reise für uns vorbereitet haben, wir haben viel gelernt und die Möglichkeit bekommen tollen, qualitativ sehr hochwertigen Tee einzukaufen. Am nächsten Morgen bekommen wir noch von Yu unsere signierten Fladen, die wir „selbst“ produziert haben, überreicht und kurz danach trennen sich am Flughafen von Jinghong die Wege unser Gruppe.


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 Yu hat chinesische Künste studiert und hat sich für uns etwas Besonderes ausgedacht: er hat jeden einzelnen Wrapper kunstvoll mit einer aufwändigen Kalligraphie professionell beschriftet. Wir sind tief berührt und von der Schönheit der kleine Kunstwerke hingereissen. In jedem Fladen steckt außerdem ein Neifei (Herkunftzettelchen) mit den original Unterschriften aller Teilnehmer.



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Jedem Teilnehmer wird sein persönlicher kleiner Teefladen feierlich ausgehändigt. Hier überreicht Yu dem Olli seinen kleinen Bing (=Fladen).


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Hier sind sie, unsere persönlichen kleinen Teefladen aus Gao Shan 2017.


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Diese beiden, für uns besonderen, Bings dieser Frühlingsteereise 2017 werden Zuhause wohl noch einige Jahre reifen dürfen. ^^




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Mit dem kleinen Flieger verlassen wir nun wieder das goldene Dreieck, den winzigen, abgelegenen und autonomen Bezirk Xishuangbanna im tiefen Süden Yunnans.


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Wir haben sehr viel von dieser Reise in die Wiege des Tees mitgenommen. Wir sind ein interessantes Stück weitergegangen auf unserem Teeweg. Es ist sehr lehrreich im Ursprung unterwegs zu sein und wenn man dann noch Leute um sich hat, von denen man lernen kann und sich mit Freude austauscht ist es doppelt schön.

 

Inzwischen haben wir uns nochmals weitergebildet, mit vielen Kunden und Freunden PuErh getrunken und haben in unserem Laden und Webshop eine schöne umfangreiche Pu-Erh-Kategorie eingerichtet, die sicher mit dem Voranschreiten auf unserem Teeweg weiter wachsen und „reifen“ wird.

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Hier eine kleine Karte mit den alten Teebergen im autonomen Bezirk Xishuangbanna, dem goldenen Dreieck im südlichsten Zipfel Yunnans. Im Süden grenzen Myanmar und Laos direkt an.

 

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